Sonntag, 19. Juli 2020

Musik und Interviews: Krankenhausradios in Deutschland - Neues Buch mit Auflistungen, Geschichte und Ausblick

Herr der CD‘s und Musikdateien: Moderator Hubert Schmölzl bei einem
Patienten-Wunschkonzert im Christopherus-Krankenhaus in Werne. (Foto: privat)

Von Michael Winkler 

„Klinikradios sind dazu da, Patienten auf ihrem Weg der Gesundung bei Laune zu halten“, sagt Hubert Schmölzl aus Werne an der Lippe. Der 57-jährige Diplom-Ingenieur muss es wissen, denn er ist seit 1990 leidenschaftlicher Krankenhausfunker und Leiter des ehrenamtlichen Teams im dortigen St. Christopherus-Krankenhaus. Beinahe hätte die Initiative von „FCKW“ in diesem Sommer ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Aber Corona machte die schon fertige Planung zunichte. „Das holen wir nächstes Jahr aber nach“, so der Radiomann.
Ein dickes Trostpflaster ist dafür jedoch sein neues Buch, das kürzlich erschienen ist: „Schere, Tupfer, Mikrofon“ heißt das umfangreiche Kompendium mit einer Auflistung aller Krankenhausradios in Deutschland und der Schweiz. Hier hat der Autor eine lobenswerte zweijährige Sisyphos-Arbeit vorgelegt, die für Amateure, Journalisten und Studenten aus dem Medienbereich ein wichtiges Nachschlagewerk ist. Schon allein deshalb, weil das rund 200 Seiten starke Buch die zweite Auflage nach 2007 ist.

In diesen 13 Jahren ist etwa die Hälfte der damals 80 Klinikradios „eingeschlafen“ und es herrscht seitdem Funkstille in den Patientenzimmern. Neben diesem Rückblick weiß Schmölzl durch seine Recherchen, dass auch neue Radios entstanden sind, zum Beispiel durch und für Jugendliche in den Kinderkliniken von Marburg und Stuttgart. Im Großraum Ruhrgebiet gibt es noch drei ganz aktive und gut funktionierende Hausradios im Augusta-Krankenhaus Bochum, im Städtischen Klinikum Solingen und halt in Werne.

Neben dem geschichtlichen Rückblick auf 100 Jahre Hospital-Radios – 1919 wurde das erste im Militärkrankenhaus „Walter Reed General Hospital“ in Washington D.C. gegründet – empfiehlt Hubert Schmölzl auch Neugründungen und gibt Tipps für Finanzierung, Technik und Angebote für Ehrenamtliche im Bereich von Seniorenheimen, Behinderten-Einrichtungen und Justizvollzugsanstalten.

Ironie des Schicksals: Der Ingenieur, der heute in Dortmund bei einer Behörde arbeitet, war bis April noch Technischer Leiter der Betriebstechnik im Evangelischen Krankenhaus Witten und musste dort im Januar 2016 das traditionsreiche „Ruhrstadtstudio“ komplett ausräumen und umbauen, weil die Verwaltung dringend ein neues Büro für das Controlling brauchte. 40 Jahre lang tönte es auch von dort für Patienten und Mitarbeiter: „Sie wünschen – wir spielen.“

Hubert Schmölzl: Schere-Tupfer-Mikrofon II, Krankenhausradios in Deutschland, Sachfachverlag 2020, ISBN 978-3-9819088-5-5, 17 Euro




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